Sie sagen, texten ist eine Kunst. Ich sage, in gewissen Fällen mag das schon so sein. Zum Beispiel wenn sich Text und Tanz auf ein ausdrucksstarkes Pas des deux zur inhaltlichen Befüllung einer Website verständigen. Die zentrale Frage lautet dann: Wer führt?
Wie Sie sicher wissen, ist im Tanz das Führen die vornehmste Aufgabe des Herren. Motiviert von testosteronbefeuertem Wunschdenken setzt er alles daran, mit strategischem Überblick, sanftem Durchsetzungsvermögen und viriler Entschlusskraft die Dame seines Herzens in wachszerfließende Willigkeit zu verwandeln. Spätestens hier ist in diesem Blogbeitrag allerdings der Zeitpunkt gekommen, um aus der Metaphorik-Schleife auszusteigen. Denn jetzt drängt sich die Frage auf, wer denn nun in einem meiner letzten Webtext-Projekte der Herr und die Dame sein soll: Die Damen und Herren der Tanzschule, oder ich! Was meinen Sie?
Das Phänomen „caecita industriae“
Sicher haben Sie gleich ein paar gute Argumente auf der Zunge, mir als Texter die Führungsqualität in einem Projekt dieser Art abzusprechen. Noch dazu wenn ich Ihnen jetzt beichte, dass mich meine ungelenken Beine bisher konsequent an jeder Tanzfläche vorbei getragen haben. Andererseits erlauben Sie mir sicher die Frage, inwieweit der Tänzerblick für das Wesentliche durch diverse Drehfiguren getwistet ist. Sprich betriebliche Blindheit (caecita industriae), die ja nicht nur Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Tanzschulen heimsucht. Dabei gilt es jedoch, zwei Arten von Betriebsblindheit zu unterscheiden: Die diagnostizierte und die nicht diagnostizierte. Wobei sich Letztere als die wesentlich gefährlichere erweist.
Vertrauen statt Angst
Jetzt werden Sie sicher überrascht sein, wenn ich Ihnen sage, dass meine Tanzschule die Führungsfrage überhaupt nie gestellt hat. Einfach deshalb, weil hier die caecita industriae nach einer offensichtlich schonungslosen Selbstreflexion schon längst diagnostiziert und sogar behandelt wurde. Weil hier keine Selbstüberschätzung und Ängste im Spiel waren, sondern Vertrauen als Vorschuss gewährt wurde. Insofern kann ich Ihnen berichten, dass sowohl die Tanzschule Hippmann als auch die mich beauftragende Werbeagentur sowie ich selbst von Anfang einen gemeinsamen Rhythmus gefunden haben, der während der ca. 70(!) Menüpunkte dauernden Zweisamkeit nie verloren ging. Dass Sie jetzt neugierig auf das Ergebnis sind kann ich natürlich gut verstehen. Mein Tipp: Foxtrotten Sie doch einfach mal zu dieser Tanzschule und schauen Sich sich alles an.
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