Wäre die deutsche Sprache ein Tier, würde sie uns wahrscheinlich als Spinne begegnen. Denn einerseits lassen sich damit glänzende Verbalkonstrukte weben. Andererseits verführt sie mit vermeintlich harmlosen Wörtern zu Spielereien, in denen man sich beim Texten nur allzu leicht verfängt. Brot ist zum Beispiel so ein Wort.
Die Verwandlung des Brotes von einem völlig harmlosen Grundnahrungsmittel zum schwer verdaulichen Ballaststoff für Schreibende und Lesende beginnt sehr oft mit dem fatalen Griff zu einem giftgrünen Buch mit dem Titel: Duden Redewendungen, ein ideomatisches Wörterbuch. Damit Sie mich richtig verstehen: Ich finde, das ist ein großartiges Werk. Deshalb mache ich mir an dieser Stelle auch weniger Gedanken über das Buch, sondern über seine Handhabung. Tatsächlich geht es mir um die real existierende Versuchung, Texte mit ein paar Sprüchen aus dem Handbuch ohne großen Aufwand vermeintlich origineller, griffiger, knackiger, pfiffiger oder weiß Gott noch was alles zu machen. Außerdem geht es mir auch um die daraus resultierenden Konsequenzen.
Texter lieben die großen Brötchen
Meine persönliche Meinung dazu? – Natürlich darf man sich Hilfe holen, wo man Hilfe zu finden vermeint. Denn Texten ist ein hartes Brot. Sein täglich‘ Brot lässt sich damit allerdings recht manierlich verdienen. Das ist auch gut so. Denn immerhin reden wir beim Texten von einer Kunst, die sich brotlos auf Dauer nur sehr schwer ausüben lässt. Um nicht zu sagen, wir reden von einer Kunst, die konsequent dem Brot folgt. Wenngleich Texter auch nur Menschen sind und deshalb nicht vom Brot alleine leben. Sondern auch von der Butter darauf. Nach der Devise „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ gebe ich sogar zu, dass viele Texter ihr Können am liebsten nur jenen anbieten, die die ganz großen Brötchen backen, möge der Brotkorb dort auch noch so hoch oben hängen. Was nur allzu verständlich ist, wenn man bedenkt, wie schnell Brot immer teurer wird. Leider auch das flüssige!
Einfach zum Nachdenken
Du siehst, mit Worten zu spielen oder damit Sprüche zu klopfen, kann bisweilen sogar lustig sein. Vor allem wenn man es auf die Spitze treibt, was im textlichen Alltag allerdings nur in den seltensten Fällen wirklich spitze ist. Oder anders gesagt: Am Denken und Feilen führt für einen Texter einfach kein Weg vorbei!
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