Obwohl selbst kein rasend fanatischer Teetrinker hatte ich vor nicht allzu langer Zeit die charmante Aufgabe, zehn Kräutertees aus dem Mühlviertel einen Namen zu geben. Ein guter Anlass also, um das Thema Namensfindung mit Ihnen mal ganz grundsätzlich zu diskutieren.
Wenn Sie sich an die Namensfindung machen, stehen Sie gleich zu Beginn vor einer großen Kreuzung. Rechts geht es zu den Kunst- oder Phantasienamen. Links in eine deskriptive bzw. beschreibende Richtung mit Bedeutungsinhalten. Oder umgekehrt? – Wie auch immer, Beispiele für Kunstnamen wären etwa Aventis (ein kurzlebiger Pharmakonzern), Wimdu (Ferienwohnungen) oder Lesara (Textil-Onlineversand). In Bezeichnungen wie Kinder (die Schokolade), mydrive (tomtom) oder Elitepartner (Sie wissen schon) steckt ein beschreibender Hinweis auf den Unternehmensinhalt. Welchen Weg Sie bei der Namensfindung am besten einschlagen? Dazu kann ich Ihnen nur folgenden Gedanken mit auf den Weg geben: Bei Firmennamen haben Kunstwörter den Vorteil, dass sie ein breites Dach für verschiedene Produkte und Angebote bieten können. Bei Produktnamen ist ein Hinweis auf den Zweck sicher kein Nachteil.
Vorsicht beim Überschreiten von Sprachgrenzen
Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Namensfindung ist die Wiedererkennbarkeit bzw. die Verständlichkeit. Haben Sie sich einen Favoriten zurechtgelegt, wenden Sie sich am besten an Freunde oder Bekannte. Reden Sie über Ihr Unternehmen oder Produkt und erwähnen Sie so ganz nebenbei auch den Namen. Kann sich Ihr Gegenüber am Ende des Gesprächs noch an den Namen erinnern und ihn noch dazu richtig aussprechen, dann bingo! Apropos Aussprache und Erinnerung: Ihr Produkt- oder Firmenname sollte natürlich nicht in schlechter, sondern in guter Erinnerung bleiben. Was ich damit sagen will? – Nun, es gibt genug Beispiele für Namen, die negative Assoziationen auslösen. Die Gefahr besteht vor allem dann, wenn sie über die eigene Sprachgrenze bzw. den eigenen kulturellen Raum hinaus Verwendung finden sollen. Hier einige Faux-pas dieser Art:
Gazprom und die „Niggers“ sowie Audis Stuhlgang
Der russische Gazprom-Konzern gründete ein Joint-Venture mit einer nigerianischen Firma und wählte den Namen Nigaz. Also eine Verbindung von Nigeria und Gazprom. Dass dieser Namen ausgesprochen wie Niggers klingt, führte zu massiven Protesten in Nigeria. Ein peinliches Beispiel für amateurhafte Namensfindung lieferte auch Audi. Mit der Bezeichnung e-tron für eine Modellreihe haben sich die Ingolstädter bei den Nachbarn in Frankreich keinen Gefallen getan. Denn étron bedeutet auf Französisch Kothaufen oder Stuhlgang. Ein ähnliches Fäkalproblem mit Frankreich hatte auch Toyota. Spricht man nämlich das Buchstabenkürzel des Modells MR2 in der hiesigen Landessprache aus, hört sich das wie „merde“ an. Und das bedeutet – Sie verzeihen den Ausdruck an dieser Stelle – Scheißdreck. Mein Tipp daher: Kontaktieren Sie ein Übersetzungsbüro, das mit Native Speakern zusammenarbeitet. Lassen Sie Ihren Produkt- und Firmennamen in allen Sprachen abchecken, die für Sie relevant sind. Aber nochmals zurück zu den Buchstabenkürzeln.
Geben Sie acht bei Buchstabenkürzeln!
Bei Abkürzungen im klassischen Drei-Buchstabenformat besteht oft dreisilbige Zungenbruchgefahr. Vor allem, wenn sie nur aus Konsonanten bestehen. In diesem Fall ist die Chance groß, dass die Kombination nicht unbedingt einfach über die Zunge geht. Zum Beispiel NHL (ausgesprochen Ennhael), JFC (Jeefze) usw. Außerdem lassen solche Buchstabenkombination bei der Zielgruppe kaum Emotionen aufkommen. Und zudem werden Sie beim Domaincheck feststellen, dass ohnehin schon sehr viele Kombinationen dieser Art vergeben sind. In erster Linie jene besonders vorteilhaften, die mit der Länderkennung enden. Oder mit com.
10 Zeichen sind genug
Bei der Namensfindung ist Verfügbarkeit auch in sozialen Netzwerken ein Thema. Guter Tipp: Verzichten Sie bitte auf das Herumspielen mit Schreibweisen oder auf das Anfügen von Nummern. Idealerweise ist der Firmenname in seiner ursprünglichen Schreibweise verfügbar. Bei Twitter kommt hinzu, dass der Firmenname eine gewisse Länge nicht überschreiten sollte. 10 Zeichen sind genug. Natürlich lassen sich kurze, zweisilbige Namen flotter und leichter aussprechen, womit wir wieder bei der Artikulation wären. Jetzt wo sich der Kreis quasi geschlossen hat, bleibt mir noch ein letzter Gedanke. Stellen Sie sich vor, Sie werden einmal gefragt, warum und wieso ausgerechnet dieser Firmenname. Wäre es da nicht schön, Sie hätten eine spannende und glaubwürdige Geschichte auf Lager?
Kurzer Nachtrag: die markenrechtliche Überprüfung
Fast hätte ich’s vergessen: Verabsäumen Sie bitte nicht, Ihren Namen einer markenrechtlichen Überprüfung zu unterziehen. Ansonsten kann es teuer werden. Online recherchieren Sie am besten auf der EU-Markendatenplattform EUIPO. Auch das Österreichische Patentamt hilft Ihnen bei Recherche und später bei der Registrierung weiter.


